KulturGutRetter sichern poröse Burgruinen-Rückwand in Mesendorf
Spezielle Stabilisierung mit Kalkmörtel, Dokumentation per Minidrohne und 3-D-Aufnahmen
Pritzwalk. Die Rückwand der Burgruine im Gutspark von Mesendorf ist gesichert. KulturGutRetter stabilisierten die poröse Mauer über einen Einsatz von vier Tagen vor Ort. Ihre Stabsstelle befand sich im Gemeindehaus direkt neben der Burgruine, dort lagerten auch die Ausrüstung und das Material des Teams.
Zu Beginn wurde der Efeubewuchs an der Rückwand entfernt. Erst dadurch zeigte sich das Ausmaß der Schäden: Einzelne Steine waren ausgebrochen und heruntergefallen, andere drohten abzustürzen. Zudem bröckelte an vielen Stellen der Putz. Nach Angaben von Wanja Wedekind, der die KulturGutRetter in Mesendorf für das Deutsche Archäologische Institut mit Sitz in Berlin begleitet, sind es vor allem Frostschäden, die dem Bauwerk zu schaffen machen. Der alte Mörtel sei zwar sehr kompakt und bindemittelreich, zugleich aber anfällig für Frostsprengung.
Die Schäden an der Rückwand wurden zunächst erfasst und dokumentiert. Danach sammelten die KulturGutRetter Steine in der unmittelbaren Umgebung und setzten einen speziellen Kalkmörtel an. Dieser besteht aus gebranntem Kalk und Sand und kommt dem Originalmörtel sehr nahe. Das Gemisch wird in Lagen übereinander geschichtet, mit Wasser benetzt und nach einer Ruhezeit von etwa einem Tag weiter verarbeitet. Durch die Zugabe von gemahlenem Brandkalk und Wasser entsteht der Kalkmörtel, mit dem die Mauer stabilisiert wurde.
Arbeiten nach dem Einsatz im Juni überprüft
Die KulturGutRetter waren zuletzt im Juni in Mesendorf im Einsatz. Damals sicherten sie bereits einen Teil der vorderen Außenwand der Ruine. Bei dem aktuellen Aufenthalt wurden auch diese Arbeiten überprüft und ihr Zustand dokumentiert. Außerdem entstanden Aufnahmen mit einer Minidrohne sowie 3-D-Aufnahmen, die einen Vergleich des Zustands vor und nach den Sicherungsarbeiten ermöglichen.
Die KulturGutRetter hatten ihren Auftrag in Mesendorf bereits zuvor als abgeschlossen beschrieben. In dem Pritzwalker Ortsteil übten sie nun zum dritten Mal den Katastrophenfall. Diesmal war ein 15-köpfiges Team aus ganz Deutschland vor Ort.
Einheit für mobile und immobile Kulturgüter
Die KulturGutRetter sind eine zivile Einheit, die nach Naturkatastrophen wie Erdbeben oder kriegsbedingten Zerstörungen zum Einsatz kommt. Zu ihr gehören unter anderem Denkmalpfleger, Restauratoren, Baufachleute sowie Mitarbeiter des Deutschen Archäologischen Instituts. Die Einheit bildet die CHRU, die Cultural Heritage Response Unit, die vom Auswärtigen Amt finanziert und seit 2019 aufgebaut wird. Sie kümmert sich um mobile und immobile Kulturgüter. Im Fall von Mesendorf ging es um immobile, also gebaute Kulturgüter.
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