„Maxe Baumann“ feiert Bühnen-Comeback in Beelitz
Neuinszenierung des DDR-Klassikers mit moderner Erna-Mischke-Interpretation stärkt regionale Kultur und Gemeinschaft


Die Freilichtbühne im Beelitzer Stadtpark steht im Mittelpunkt einer kulturellen Besonderheit: Nach mehr als drei Jahrzehnten erlebt das beliebte DDR-Stück „Maxe Baumann“ eine Rückkehr auf die Bühne. Dagmar Gelbke, selbst Zeitzeugin und Darstellerin der Erna Mischke, reflektiert im aktuellen Interview, welche Bedeutung dieser Stoff heute noch haben kann – insbesondere in Ostdeutschland.
Kultureller Blick auf „Maxe Baumann“
Während in der Vergangenheit auf Theaterbühnen im Osten Deutschlands häufig Produktionen wie „Ein Herz und eine Seele“ adaptiert wurden, rückt nun mit „Maxe Baumann“ ein Stück originärer DDR-Unterhaltungskultur in den Fokus. Dagmar Gelbke merkt dazu kritisch an, dass die westdeutsche Wirklichkeit der 1970er Jahre „nicht nochmal hochgeholt“ werden müsse, da auch der Osten gelungene Unterhaltung vorzuweisen habe.
Gelbke, die in der aktuellen Inszenierung der Beelitzer Festspiele als Erna Mischke zu sehen ist, betont die Bedeutung der Aufführung: „Wir haben über 35 Jahre nach der Wiedervereinigung die Chance, dass Maxe Baumann auch mal wieder gespielt wird.“ Die Theaterproduktion in Beelitz versteht sich, so Gelbke, als „gelebte DDR-Geschichte“ und als Beitrag zur Kulturgeschichte der Region.
Die Rolle der Erna Mischke: Zwischen Tradition und Neuerfindung
Gelbke gibt im Interview Einblicke, wie sie die Rolle der Erna Mischke verkörpern möchte, ohne Helga Hahnemann, der legendären Darstellerin der Originalfilme, zu kopieren. Beim Aufbau ihrer Figur setzt sie bewusst auf eigene Akzente und betont: „Haare abschneiden und eine Bob-Frisur wird es nicht geben!“ Der kreative Prozess beginne mit den Proben, und gerade die Neuinterpretation der Rolle soll die Komödie zeitgemäß und authentisch halten.
Die persönliche Beziehung zur Vorgängerin Helga Hahnemann ist für Gelbke dabei prägend. Gemeinsam waren sie ein Bühnen-Duo, das aus Gegensätzen – „die kleine Dicke“ und „die lange Dürre“ – lebte. Ihr Respekt vor der Tradition paart sich nun mit dem Anspruch, der Figur einen eigenen Charakter und eine moderne Note zu geben.
Kochen und Kultur: Zeitgeschichte wird lebendig
Neben ihrer Bühnenarbeit hat Dagmar Gelbke Bücher rund ums Essen und die Unterhaltungskunst der DDR veröffentlicht. Zusammen mit Künstlerinnen und Künstlern wie Dagmar Frederic, Alexander G. Schäfer und Giso Weißbach entstanden Werke, die auch zeitgeschichtliche Aspekte abbilden. Ein Rezept für Beelitzer Spargel im Schlafrock stammt beispielsweise von Otto Mellies. Die Bücher bieten jedoch weit mehr als reine Kochrezepte: Sie dokumentieren, wie Unterhaltungskunst im Osten eine eigenständige Kulturkonzeption entwickelte.
Gemeinsame Kochabende mit dem Ensemble in Beelitz könnten, so Gelbke, eine Idee für die nahe Zukunft sein. Dies unterstreicht die enge Verbindung zwischen Kulturarbeit und Gemeinschaftsgefühl, die viele der Mitwirkenden bereits aus langjähriger Zusammenarbeit teilen.
Bedeutung der Bühne für die Gesellschaft
Für Dagmar Gelbke sind Bühnen wie die Freilichtbühne in Beelitz unerlässlich für das kulturelle Leben. Sie erklärt, dass gerade solche Veranstaltungsorte aufgrund ihrer Volksnähe einen wichtigen Beitrag zur Gesellschaft leisten. Ein breites Repertoire, das die Interessen von Jung und Alt abdecke, bilde die Grundlage einer lebendigen Kulturlandschaft. Besonders hebt sie die Rolle der Stadt Beelitz hervor, die mit der aktuellen Produktion ein Stück DDR-Kulturgeschichte wieder aufleben lässt.
Auch die Kooperation mit erfahrenen Ensemblemitgliedern und die gleichzeitige Offenheit für neue künstlerische Abenteuer machen die Produktion zu einem Gemeinschaftsprojekt. Ein Beispiel ist die parallel zur Maxe-Baumann-Inszenierung entstehende Revue „Auferstehung der Ruinen“, bei der Dagmar Frederic und Regina Thoss eine zentrale Rolle spielen werden.
Ausblick und Kontaktmöglichkeiten
Die Rückkehr von „Maxe Baumann“ auf die Bühne ist nicht nur eine Hommage an die DDR-Unterhaltung, sondern auch ein Statement zur kulturellen Vielfalt und Erinnerungskultur im Osten Deutschlands. Wer selbst mit den Darstellern oder dem Produktionsteam ins Gespräch kommen möchte, kann Interviewanfragen direkt an die Veranstalter richten.
Es bleibt spannend, wie das Publikum die neue Inszenierung aufnehmen wird – und welche Impulse für die Theaterlandschaft der Region daraus erwachsen.
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