54 Prozent fürs Wohnen: Studierende geraten finanziell unter Druck

Fast zwei Drittel der Studierendenhaushalte gelten als überlastet. Besonders Alleinlebende trifft das Verhältnis von Miete und Einkommen.

Von Herold-Redaktion
Symbolisches Titelbild eines kleinen Studentenzimmers mit leerem Portemonnaie, Wohnungsschlüsseln und Rechnungen.
Fiktives KI-Symbolbild© Hessen App GmbH

Ein eigenes Zimmer am Studienort steht für Unabhängigkeit. Für viele Studierende wird es zugleich zum größten finanziellen Risiko. Nach neuen Daten des Statistischen Bundesamts geben Studierende mit eigener Haushaltsführung durchschnittlich 54 Prozent ihres verfügbaren Haushaltseinkommens für Wohnen aus. In der Gesamtbevölkerung liegt der Anteil bei 24 Prozent.

Die Differenz zeigt mehr als hohe Mieten. Studierende verfügen meist über geringe und wechselnde Einkommen, während Miete und Nebenkosten jeden Monat feststehen. Die Hälfte der Studierenden mit eigenem Haushalt hat weniger als 963 Euro Nettoäquivalenzeinkommen im Monat zur Verfügung. Schon ein kleines Zimmer kann damit den größten Teil des Budgets binden.

Allein wohnen ist besonders teuer

Alleinlebende Studierende wenden im Durchschnitt 56 Prozent ihres Einkommens für Wohnkosten auf. Wer ausschließlich mit anderen Studierenden oder Auszubildenden zusammenlebt, kommt auf 49 Prozent. Wohngemeinschaften dämpfen die Belastung also, lösen sie aber nicht. Küchen, Bäder und Grundkosten lassen sich teilen; die knappe Zahl günstiger Zimmer bleibt dennoch ein Engpass.

Nach der europäischen Definition gilt ein Haushalt als durch Wohnkosten überbelastet, wenn mehr als 40 Prozent des verfügbaren Einkommens fürs Wohnen eingesetzt werden müssen. Wohnzuschüsse werden dabei bereits berücksichtigt. Unter Studierenden mit eigener Haushaltsführung überschreiten 65 Prozent diese Schwelle. In der Gesamtbevölkerung sind es elf Prozent. Werden auch Studierende einbezogen, die noch bei ihren Eltern leben, liegt der Anteil bei 28 Prozent.

Erwerbsarbeit trägt fast die Hälfte

Die Einkommensstruktur erklärt, warum steigende Wohnkosten direkt auf Studium und Lebensführung durchschlagen. Im Durchschnitt stammen 45 Prozent der Einkünfte aus eigener Erwerbstätigkeit. Private Unterstützung, vor allem durch Eltern oder Angehörige, macht 29 Prozent aus. BAföG und Stipendien tragen 14 Prozent bei; Kindergeld, Hinterbliebenenrenten und andere Quellen weitere zwölf Prozent.

Diese Mischung ist ungleich verteilt. Wer keine hohe familiäre Unterstützung erhält und keinen günstigen Wohnheimplatz findet, muss mehr arbeiten oder Schulden aufnehmen. Zusätzliche Arbeitsstunden können wiederum die Zeit fürs Studium verlängern. Die Wohnungsfrage wird so zur Bildungsfrage: Der Zugang zu einem Studienort hängt nicht nur von der Zulassung, sondern auch vom verfügbaren Geld und vom familiären Hintergrund ab.

Was die Statistik genau misst

Die Daten stammen aus EU-SILC 2025, der europaweit abgestimmten Erhebung zu Einkommen und Lebensbedingungen. In Deutschland ist sie Teil des Mikrozensus. Als Studierende mit eigener Haushaltsführung gelten Volljährige, die allein oder ausschließlich mit anderen Studierenden beziehungsweise Auszubildenden zusammenleben. Wohnkosten umfassen nicht nur die Kaltmiete, sondern auch Nebenkosten und weitere wohnungsbezogene Ausgaben.

Der Durchschnitt bildet sehr unterschiedliche Hochschulorte ab. In angespannten Großstädten kann die Lage deutlich härter sein; an kleineren Standorten können Wege, Energie und begrenzte Angebote ebenfalls belasten. Politisch geht es deshalb um mehrere Hebel zugleich: mehr Wohnheimplätze, schnelleres und günstigeres Bauen, verlässliche Studienfinanzierung und Unterstützungsleistungen, die mit realen Wohnkosten Schritt halten.

Die 54 Prozent sind kein Randwert einer kleinen Gruppe. Sie zeigen, dass das Versprechen freier Studienortwahl für viele an der Wohnungstür endet.

Quellen und weiterführende Informationen

Eigene Anzeige

Hier könnten Ihre Neuigkeiten stehen

Erreichen Sie Menschen in dieser Region – transparent als Anzeige gekennzeichnet.

Jetzt anfragen

Hat dir der Artikel geholfen? Teile ihn gern: