Sozialplattform als digitales Sozialportal ausbauen

Expertengremium „Digitalisierung Sozialstaatsreform“ plant One-Stop-Shop für Sozialleistungen und durchgängige digitale Bearbeitung

Von Herold Politik

Sozialplattform soll zentrales digitales Sozialportal werden

Das Expertengremium „Digitalisierung Sozialstaatsreform“ hat in seiner dritten Sitzung auf dem GovTech Campus in Berlin beschlossen, die bereits bestehende Sozialplattform zum zentralen digitalen Sozialportal auszubauen. Damit soll sie schrittweise zu einem digitalen „One-Stop-Shop“ für Sozialleistungen weiterentwickelt werden.

Nach Angaben der Beteiligten ist damit ein einheitlicher digitaler Zugang zu Sozialleistungen in ganz Deutschland vorgesehen. Zugleich soll die Anbindung der Deutschland-App verfolgt werden.

Bereits bestehende Plattform wird ausgebaut

Die Sozialplattform wurde in den Jahren 2021 bis 2023 aus Konjunkturpaketmitteln des Bundes finanziert. Sie bietet bereits heute verschiedene nutzungsorientierte Services rund um Sozialleistungen an, darunter die Leistungssuche, die Antragsstellung und Beratungsangebote.

Nach der Entscheidung des Gremiums soll dieses Angebot nun weiter ausgebaut werden. Ziel ist eine durchgängige Digitalisierung von der digitalen Antragstellung bis zur digitalen Bescheiderteilung. Die Plattform ist nach Angaben der Pressemitteilung zudem Pilotprojekt für den Anschluss an das National-Once-Only-Technical-System zum Registerdatenabruf.

Föderal verankertes System mit kommunaler Anbindung

Für die Weiterentwicklung kann nach Angaben des Gremiums auf ein bereits föderal verankertes System, eine hohe Fachlichkeit im Arbeits- und Sozialbereich sowie eine in der Fläche vorhandene kommunale Anbindung zurückgegriffen werden. Die Sozialplattform wird von einer Länderallianz aus 14 Bundesländern gemeinsam betrieben und finanziert.

Die sichere Identifizierung erfolgt über das Bürgerkonto BundID. Künftig soll dies zusätzlich über die neue EUDI-Wallet möglich sein.

Weitere Arbeit an Standards und Schnittstellen

Die Entscheidung für die Sozialplattform bildet laut Pressemitteilung den Ausgangspunkt für weitere Empfehlungen des Expertengremiums. Im Arbeitspaket „Datenraum der A+S-Verwaltung“ soll anhand konkreter Anwendungsfälle der Sozialplattform eine gemeinsame Governance erarbeitet werden. Dafür sollen unter anderem zeitnah ein verbindlicher Datenstandard und konkrete Schnittstellen festgelegt werden.

Monatliche Sitzungen bis Ende 2027

Das Expertengremium „Digitalisierung Sozialstaatsreform“ tagt monatlich bis Ende 2027. Es setzt sich aus Vertretern des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales und des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung als Vorsitzende, der Bundesagentur für Arbeit, den Ländern Nordrhein-Westfalen, Hamburg und Bremen sowie den drei kommunalen Spitzenverbänden zusammen. Weitere Bundesländer, Sozialversicherungsträger sowie Digitalexpertinnen und -experten werden themenbezogen hinzugezogen.

Der Auftakt des Gremiums fand am 20. Mai 2026 statt. Daran nahmen Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas und Bundesdigitalminister Dr. Karsten Wildberger teil. Im Juni folgte die zweite Sitzung, in der die festgelegten Arbeitspakete geprüft und die nächsten Meilensteine definiert wurden. Im Mittelpunkt stand dabei ein erster Arbeitsentwurf für eine verbindliche Roadmap mit inhaltlichen und zeitlichen Vorgaben für die weitere Arbeit.

Ziel: schnellerer und einfacher funktionierender Sozialstaat

Nach Angaben der Pressemitteilung verfolgt das Gremium das Ziel, die Digitalisierung der Arbeits- und Sozialverwaltung voranzutreiben. Durch die stärkere Vernetzung von Prozessen, Daten und Services soll die digitale Infrastruktur künftig sowohl die Effizienz der Verwaltung erhöhen als auch die Servicequalität für Bürgerinnen und Bürger verbessern.

Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas erklärte, mit der Entscheidung für die Sozialplattform werde eine zentrale Empfehlung der Sozialstaatskommission vorzeitig umgesetzt. Zugleich werde damit der Ausgangspunkt geschaffen, um Anträge auf Sozialleistungen künftig komplett digital abzuwickeln.

Bundesdigitalminister Karsten Wildberger erklärte, mit der Sozialplattform bestehe die Chance, Technologie zu nutzen, um Menschen schnell und unkompliziert Hilfe zu organisieren, gerade in schwierigen Lebenslagen.

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