Fußverkehrs-Check: Finsterwalde macht den Schritt
Mit Bürgerbeteiligung und Expertenanalyse will die Stadt die Sicherheit auf Straßen und Kreuzungen erhöhen
Das Land Brandenburg setzt mit den sogenannten „Fußverkehrs-Checks“ ein Zeichen für mehr Sicherheit und Barrierefreiheit im öffentlichen Raum. Neben der Stadt Frankfurt und Zeuthen wurde nun Finsterwalde als dritte Pilotkommune ausgewählt. Die fachliche Begleitung übernahm das erfahrene Planungsbüro Velokonzept GmbH und sorgte damit für eine professionelle Durchführung des Projekts.
Neue Perspektiven für Verkehrsplanung in Finsterwalde
Ziel des Projekts ist es, den Straßenraum aus Sicht der zu Fuß Gehenden und Radfahrenden neu zu bewerten. Im Fokus steht die Schaffung sicherer, barrierefreier und attraktiver Verkehrsflächen für alle Menschen – ungeachtet von Alter oder Mobilitätsvoraussetzungen.
Der Prozess begann mit einem Auftaktworkshop im April, an dem Vertreterinnen und Vertreter der Stadtverwaltung, lokaler Vereine sowie weiterer Akteure teilnahmen. Gemeinsam wurde das Untersuchungsgebiet abgesteckt und wichtige Handlungsfelder festgelegt. Schwerpunkte lagen auf besonders belasteten Bereichen wie Kreisverkehren, der Rue-de-Montataire und dem Kreuzungsbereich Saarlandstraße/Brandenburger Straße.
Die zentralen Themen bei der Erarbeitung von Verbesserungsmaßnahmen waren vor allem die Verkehrssicherheit und Barrierefreiheit. Besonderes Augenmerk wurde darauf gelegt, wie bestehende Strukturen angepasst und verbessert werden können.
Beteiligung der Bevölkerung und digitale Tools
Ein zentrales Element des Projekts war eine Vor-Ort-Begehung im Stadtteil Finsterwalde Süd. Hier wurden Straßenraumsituationen analysiert und konkrete Potenziale für Verbesserungen gesammelt. Dabei nutzte die Projektleitung auch digitale Instrumente: Über das Beteiligungstool „Senf-App“ konnten Bürgerinnen und Bürger zwischen dem 18. Juni 2025 und Anfang des Folgemonats ihre Hinweise und Vorschläge einbringen. Rund 120 aktive Teilnehmende trugen so zur Datensammlung bei.
Dieser Beteiligungsprozess ermöglichte es, wertvolle Rückmeldungen aus der Bevölkerung direkt in die Auswertung einzubeziehen und gezielt auf Probleme aufmerksam zu machen.
SWOT-Analyse als strategisches Instrument
Die gesammelten Erkenntnisse wurden am 23. Juli in einer Nachbesprechung gebündelt ausgewertet. Ziel ist die Erstellung einer fundierten SWOT-Analyse sowie einer konkreten Maßnahmenliste. Die Ergebnisse sollen der Stadtverwaltung als Grundlage dienen, um die Verkehrssituation gezielt weiterzuentwickeln und bestehende Herausforderungen strukturiert anzugehen.
Besonders wertvoll erwies sich das Projekt für die Sichtbarkeit vieler, oft vernachlässigter Gehwegflächen, die dringend saniert werden müssen. Der fachlich begleitete Austausch half, sowohl die Mängel zu benennen als auch realistische Lösungsansätze zu finden.
Herausforderungen und Ausblick
Im Rahmen des Workshops erfolgte ein intensiver Austausch mit den Mitarbeitenden des Ministeriums für Infrastruktur und Landesplanung (MIL). Diskutiert wurde, wie Kommunen bei der Bewältigung des Sanierungsrückstaus effektiver unterstützt werden können. Allerdings wurde deutlich, dass schnelle Lösungen häufig durch straßenverkehrsrechtliche Vorgaben ausgebremst werden.
Trotz der gewonnenen Erkenntnisse sind bislang keine zusätzlichen Haushaltsmittel bereitgestellt worden, um die vorgeschlagenen Maßnahmen umzusetzen. Die Hoffnung bleibt, dass die Ergebnisse des Pilotprojekts künftig in die Förderpraxis einfließen und bei Entscheidungen über Fördermittel stärker berücksichtigt werden.
Fazit
Das Pilotprojekt „Fußverkehrs-Check“ setzt einen wichtigen Impuls für die zukünftige Gestaltung urbaner Räume. Die Einbindung der Bevölkerung, die Nutzung digitaler Tools und die strukturierte Analyse der Herausforderungen zeigen, wie partizipative Verkehrsplanung heute funktionieren kann. Die nächsten Schritte hängen jedoch maßgeblich von politischem Willen und finanzieller Unterstützung ab.
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